Wettkochen der Bürgermeister:

Soester erkochen neue Dimensionen

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 Viel Aufregung, hohe Konzentration und eine echt heiße Sache: Vor dem ersten Gang konnten die Gäste den kochenden Protagonisten des Abends über die Schulter schauen – anschließend durften die einen arbeiten, die anderen genießen. Fotos: Dahm

Soest - Ein am Boden robbender Bürgermeister, ein Koch mit Hang zur Perfektion und eine Gattin, die mit viel Lust am Kochen und Dekorieren zum Höhenflug einlädt: Diese drei Zutaten hoben das finale Anzeiger-Wettkochen in ungeahnte Dimensionen. Und bescherten dem Circuszentrum Balloni eine satte Spendensumme.

Wer sich mit Harry Luhmann von der Soester Steinkiste einlässt, bekommt es mit einem ehrgeizigen Typen zu tun. Und weil Luhmann dabei nichts dem Zufall überlässt, mussten sich Eckhard Ruthemeyer und dessen Frau Susanne ins Zeug legen, um höchsten Ansprüchen zu genügen.

Beispiel? Weil sich Luhmann in den Kopf gesetzt hatte, das Menü unter der Überschrift „Gut – lecker – Soest“ mit essbaren Wildblumen zu garnieren, robbte er gemeinsam mit Eckhard Ruthemeyer frühmorgens auf Hiddingser Wiesen herum, um die bunte Pracht zu ernten. Am Dienstagabend präsentierte das Trio in der Kochschule „Bethlehems Stall“ nicht nur deshalb ein Dreineinhalb-Gänge-Menü, das neue Dimensionen eröffnete.

als Gruß aus der Küche kam mit Pumpernickel, Schinken und Wachtelei noch bodenständig, ja irdisch daher. Doch schon bei der Vorspeise, einem Kräutercrepe (Luhmann ließ sie vom Teller nehmen, um sie nachzuwärmen) mit Pfifferlingsragout, machte sich am Gaumen ein erhebendes Gefühl breit: Die Wildblumen grüßten so lieblich vom Teller, dass sich auch die Herzen der Gäste öffneten wie eine Blüte. Jetzt erst nahmen viele die Umgebung wahr: eine Speisekarte in Herzform mit Soester Anstecker, eine liebevolle Tischdeko – beides nach Ideen von Susanne. Die gab ihrem Eckhard parallel entschlossene Anweisungen fürs Hauptgericht. Der in Sachen Kochen nur mit einem übersichtlichen Talent ausgestattete Bürgermeister folgte – und schnitt und dekorierte, richtete an und servierte. „Ich habe noch nie gekocht“, gab der Bürgermeister zu. „Aber die Beschäftigung mit den Zutaten, das Säubern und Zuschneiden von Obst und Gemüse habe ich als geradezu meditativ empfunden.“ Zum Mitmachen bei der Anzeiger-Aktion habe ihn seine Frau animiert: „Sie sagte: Ja klar machen wir da mit!“

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 Im Siegestaumel: Elke Schmücker (rechts) freute sich über eine satte Spende, nachdem sich bei Eckhard und Susanne Ruthemeyer sowie Harry Luhmann (2. von rechts) einen Abend lang alles um möglichst perfekte Teller gedreht hatte.

Mitmachen allein ist für den Perfektionisten Luhmann nicht genug. 14 Tage haben die Vorbereitungen insgesamt gedauert, „und am letzten Tag musste ich noch die Pfifferlinge austauschen und einige Zutaten erneut einkaufen“, erzählte er. Ein Mitarbeiter seines Lokals hatte die erste Marge aus Versehen anderweitig verwendet. Zurück zum Menü. Der Hautgang bestach durch ein so butterzartes Ochsenbäckchen, dass sich das Meerrettichpesto als Gegenspieler und die Möhren-Kartoffel-Komposition echt anstrengen mussten. Ein Genuss.

Beim Dessert entführte das Trio die Gäste endgültig aus der Realität: Heidelbeerluft um einen Käsekuchentraum der Susanne Ruthemyer, das hatte das Zeug zum Abheben. Zum Glück gab‘s noch Pumpernickel-Brösel dazu: eine Erinnerung daran, dass es auch Irdisches gibt, über das es sich zu reden lohnt.

Das Circuszentrum Balloni zum Beispiel. Dessen Chefin Elke Schmücker war am Ende des Abends ganz aus dem Häuschen, als sie von einem satten vierstelligen Spendenbetrag erfuhr, der nun unter anderem für den integrativen Ansatz in der Zirkusarbeit genutzt werden soll.

Ganz schön aus dem Häuschen war auch die Jury. Mit 29,5 von 30 möglichen Punkten ordnete sie die Vorspeise in fast überirdische Sphären ein, blieb bei Hauptgang mit 27,5 knapp unter diesem Votum und gab fürs Dessert 30 von 30 Punkten. Unterm Strich stehen für Soest 87 Punkte – und damit exakt das gleiche Resultat wie für das Möhnesee-Trio. Deshalb dürfen sich mit Eckhard Ruthemeyer und Hans Dicke nun gleich zwei heimische Erste Bürger mit dem Titel „Bester Bürgermeisterkoch unter der Bördesonne“ schmücken.

Am Ende nur Sieger

Vier kochende Bürgermeister, vier Sozialprojekte, viele zufriedene Gäste – und am Ende der vier vom Anzeiger und der Kochschule „Bethlehems Stall“ präsentierten Koch-Events nichts als Sieger: Am späten Dienstagabend gab‘s bei einem Sekt die Chance, letzte Unklarheiten auszuräumen. Antworten auf Fragen nach der schönsten Optik, den meisten Punkten oder den exakten Spendenbeträgen beantwortet der Anzeiger am Samstag auf einer Ortsgespräch-Seite. Wir wünschen guten Appetit.

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