Kinder aus aller Welt als Stars in der Manege

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Eine Woche hatten die Kinder trainiert, jetzt zeigetn sie in der Abschlussvorstellung, was sie gelernt haben.

Soest – „Wie sehe ich aus?“ Der kleine Junge läuft stolz wie Oskar durch das Circuszentrum und präsentiert sich in seinem Bühnenoutfit. Eigentlich trägt er „nur“ einen Blaumann – doch für ihn ist es mehr: sein Kostüm, in dem er gleich seiner Familie und allen anderen zeigen wird, was er gelernt hat. Er wird darin mit einigen anderen Jungs auf einer Leiter herumklettern und vom Trampolin aus Saltos schlagen.

Im Rahmen des Förderprogramms „Kultur macht stark“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung gehörte das Circuszentrum „Balloni“ beim zweiten „talentCampus“ ausschließlich Kindern zwischen zehn und 15 Jahren, die in der Unterkunft für Asylbewerber in der Waldstraße leben sowie Migrantenkindern aus dem Soester Süden. Am Samstagmittag gaben sie ihre Abschlussvorstellung.

Zunächst generierte sich die 30-köpfige Schar noch als ein multinationaler „Sack voll Flöhe“, der sich zusammenraufen mussten, und der mal mehr, mal weniger über Deutschkenntnisse verfügte, deren Vermittlung aber vormittags auf dem Lehrplan stand. „Doch untereinander können sich die Kinder dann eben hauptsächlich nur auf Deutsch unterhalten“, weiß Anja Plesser. Als Fachbereichsleiterin Sprachen bei der VHS begleitete sie das Projekt. „Und die Verständigung funktionierte von Tag zu Tag besser.“

Voll des Lobes ist sie auch für die Vernetzung im Soester Süden: „Hier kennt jeder jeden, die Migranten werden gleich mit Namen begrüßt.“ Die Arbeit an einer Zirkusaufführung sei vor allem deshalb für ein solches Projekt geeignet, „weil man den Kindern sehr viel über Gestik und Mimik vermitteln kann. So können sie das nachmachen, was sie sehen“, verdeutlicht Elke Schmücker vom Circuszentrum. Viele der Kinder hätten gar nicht gewusst, was da auf sie zukomme, bislang hätten sie noch gar nicht oder kaum gewusst, was ein Zirkus eigentlich ist. „Doch je mehr sie merkten, worum es geht, desto mehr tauten sie auf, desto mehr lernten sie, zusammenzuarbeiten – denn eine Zirkusaufführung gelingt nur im Team.“

Junge Künstler mit Bühnenpräsenz

Auch das Selbstbewusstsein und die Bühnenpräsenz hätten schnell zugenommen, so Elke Schmücker. Es habe sogar jede Menge schauspielerisch begabter „Rampensäue“ gegeben: „Gerade die Jungs waren enorm mutig. Die hatten überhaupt keine Angst, etwas auszuprobieren. Dass jemand in einer Woche lernt, von einer Laufkugel auf die nächste zu springen, hat man sonst nicht.“ Das Geld, um ihre Kinder weitertrainieren zu lassen, werden die wenigsten Eltern haben. Die Gruppe komplett unentgeltlich zu übernehmen, kann sich die Einrichtung nicht leisten, bedauert Elke Schmücker, „aber für einzelne Fälle ginge es gut über Patenschaften, sprich, dass man jemand findet, der sie herbringt, begleitet und vielleicht auch den Beitrag übernimmt.“ -  kb

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