Migration in der Manege

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Jürgen Klug zeigte beim Schnuppertag für Flüchtlings- und Migrantenkinder im Circuszentrum Balloni , was man mit Feuer alles machen kann.

Soest - Raus aus dem Alltag, rein in die faszinierende Zirkuswelt. Das durften nun Kinder aus Flüchtlingsfamilien und mit Migrationshintergrund erleben.

„Du hast schon etwas größere Füße, das ist gut. Da verteilt sich dein Gewicht besser.“ Was Jürgen Klug gerade den Kindern demonstriert, ist pure Physik. Er zeigt ihnen, dass ein Fakir-Dasein gar nicht gefährlich ist, wie man meint, und lässt jedes Kind einmal auf ein kleines Nagelbrett steigen. Es prickelt vielleicht ein wenig in den Fußsohlen, und das war’s auch schon. Kein Schmerz, erstrecht keine Wunden. 

Und dann zeigt er ihnen die Königsdisziplin: Feuerschlucken. Die Kinder machen große Augen: Ein menschlicher Feuerwerkskörper. Das bekommen sie auch nicht alle Tage geboten. Es ist ihr erster Tag im Circuszentrum Balloni, womöglich auch ihr einziger – das aber ist Sinn und Zweck eines Schnuppertages. 

Das Besondere: Alle Kinder sind entweder Flüchtlinge oder haben einen Migrationshintergrund und sind noch nicht lange in Soest. 

Vier Balloni-Trainer nehmen sich acht Stunden lang ihrer an. „Schon im vergangenen Jahr hatten wir eine ganze Projektwoche mit Flüchtlingskindern“, erzählt Balloni-Chefin Elke Schmücker. „Danach trat der Kinderschutzbund an uns heran und bot uns an, einzelne Projekttage zu finanzieren. 

Dieser Samstag ist der erste davon.“ Der zweite soll im Februar stattfinden. Die Verbindung zu den Kindern stellten die Awo mit dem Bewohnerzentrum und dem Jugendmigrationsdienst sowie das Stadtteilbüro des Soester Entwicklungsnetzes her. Die Kinder sind auf jeden Fall begeistert. 

Der kleine Kalaimalar fand großes Gefallen an den Kunststücken des Fakirs, und Pravim mochte die Jonglage. Wenn sie regelmäßig hier trainieren wollen, geht das natürlich nicht unentgeltlich – aber dank Patenschaften spendabler Soester wäre ein Training durchaus möglich. Neue Paten sind stets willkommen. 

Und der Effekt für den Werdegang der Kinder ist nicht zu unterschätzen: In den diversen Zirkus-Disziplinen hat bislang noch jedes Kind die passende für sich gefunden. Und irgendwann beim Auftritt allen zeigen zu können, welche Talente man entdeckt und ausgebaut hat, stärkt das Selbstbewusstsein eines jeden Kindes – mit oder ohne Migrationshintergrund. Und vor allem als bunt gemischte Truppe – ungeachtet der Hautfarbe oder Religion.

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